8. Fachtagung Sozialplanung und Soziale Arbeit
Unsere nächste Fachtagung widmet sich dem Thema Jugendobdachlosigkeit in der Schweiz, sie findet am 2. Juni 2027 in Olten statt.
Sie wollen informiert werden, sobald die Details zur Tagung feststehen?
Bitte teilen Sie uns dies gerne mit per Mail an caroline.jascha@fhnw.ch.
Zwischen Unsichtbarkeit und (Un-)Zuständigkeit – Jugendobdachlosigkeit in der Schweiz
Jugendobdachlosigkeit in der Schweiz – Ein verborgenes Phänomen
Jugendobdachlosigkeit ist in der Schweiz bislang wenig erforscht und kaum sichtbar. Viele betroffene Jugendliche übernachten bei Freund:innen oder Bekannten, leben vorübergehend in Notunterkünften oder schlafen im öffentlichen Raum. Die Tagung beleuchtet aktuelle Forschungsergebnisse, diskutiert bestehende Handlungsbedarfe und stellt die Lebensrealitäten betroffener junger Menschen ins Zentrum.
Jugendobdachlosigkeit sichtbar machen
An dieser Tagung möchten wir das Phänomen der Jugendobdachlosigkeit in mehrerlei Hinsicht sichtbar machen und mit Ihnen über die vorhandene und fehlende Zuständigkeit und Verantwortlichkeit für das Phänomen der Jugendobdachlosigkeit diskutieren. Und: Wir wollen dies vor dem Hintergrund realer Lebenslagen der betroffenen Minderjährigen und Erwachsenen tun!
Über Jugendliche, die wohnungslos sind und deswegen bei Freund:innen oder Bekannten übernachten, in Notunterkünften unterkommen oder sogar draussen schlafen, wird wenig gesprochen und geforscht. Warum ist das so?
Möglicherweise liegt es daran, dass Jugend und Wohnen privat „gehütete“ Lebensbereiche sind, solange sich die Jugendlichen, deren Eltern(teile) oder andere Sorgeberechtigte nicht an die zuständigen staatlichen oder zivilgesellschaftlichen Hilfeeinrichtungen wenden. Die Unsichtbarkeit des Phänomens Jugendobdachlosigkeit könnte auch mit den Bewältigungsstrategien der jungen Menschen zusammenhängen, die in der Tendenz die klassischen Notschlafangebote für Erwachsene nicht aufsuchen und damit nicht auf dem Radar des Wohlfahrtssystems sind. Möglich ist auch, dass es an der föderalen Sozialpolitik liegt, die kaum spezifische Angebote kennt für junge Menschen in prekären Wohnsituationen oder die auf der Strasse leben.
Ursachen prekärer Wohnsituationen junger Menschen
Familiäre Konflikte und damit zusammenhängende Abklärungen zu Kindeswohlgefährdungen sind häufig am Ursprung prekärer Wohnsituationen junger Menschen. Sind präventive Massnahmen zur Stabilisierung der Familien gescheitert, dann werden diese jungen Menschen in der Schweiz in Einrichtungen der Jugendhilfe platziert. In der Konsequenz ist die Auseinandersetzung mit Wohnungsfragen bei Jugendlichen in der Schweiz eng gekoppelt mit Aufwachs- und Sozialisationsbedingungen der Jugendlichen. Vergessen werden strukturelle Bedingungen, wie die wachsenden Anforderungen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt und der sinkende Bestand an bezahlbarem Wohnraum.
Aktuelle Forschungsergebnisse aus der Schweiz
An der Tagung vorgestellt werden zentrale Erkenntnisse des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojekts «Jugendobdachlosigkeit in der Schweiz. Eine Analyse der Lebenslagen und Verwirklichungschancen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Basis einer multimethodischen Mehrebenenanalyse». Sie liefern vertiefte Einblicke in die Lebenslagen und Herausforderungen obdach- und wohnungsloser junger Menschen in der Schweiz.
Leitende Fragen der Tagung
- Wie genau stellt sich die Situation von Jugendlichen dar, die in der Schweiz von Obdachlosigkeit betroffen sind?
- Wann ist Jugendobdachlosigkeit sichtbar und wann bleibt sie unsichtbar, weil junge Betroffene bspw. auf den Couches anderer übernachten?
- Wer sieht sich für dieses soziale Problem in der Schweiz in der Verantwortung?
- Welche Massnahmen müsste das Hilfesystem entwickeln, um junge obdachlose Menschen in der Schweiz in ihrer Lebenslage zu unterstützen?
Austausch zwischen Forschung, Praxis und Verwaltung
Die eintägige Veranstaltung bietet nicht nur die Gelegenheit, dieses und anderes Wissen aus der Forschung kennenzulernen, sondern weitere Erfahrungen aus der eigenen Praxis einzubringen und sich darüber mit anderen Interessierten aus der Praxis der Obdachlosenhilfe sowie Fachpersonen aus der Verwaltung, Forschenden und Vertretenden von Selbsthilfeorganisationen auszutauschen.
Das Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung ISOS der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW beschäftigt sich seit rund einem Jahrzehnt mit Fragen zu Obdach- und Wohnungslosigkeit.
Unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erfolgen im Auftrag von Bundesämtern, Kantonen, Gemeinden, Stiftungen und des Schweizerischen Nationalfonds. Das Institut arbeitet zudem in einem europäischen Netzwerk von Forschenden und Nichtregierungsorganisationen.
Daraus resultieren wissenschaftliche Grundlagen und praxisnahes Wissen.
Aktuell führen wir das vom SNF mehr als drei Jahre lang unterstützte Projekt «Jugendobdachlosigkeit in der Schweiz. Eine Analyse der Lebenslagen und Verwirklichungschancen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Basis einer multimethodischen Mehrebenenanalyse», deren wichtigste Erkenntnisse an dieser Tagung präsentiert werden.



